Aktualisiert am: 20. Mai 2025
19Â Minuten Lesezeit
Der groĂe User-Story-Guide fĂŒr Scrum: Beispiele, Aufbau, Akzeptanzkriterien, Formulierung. Jetzt hier klicken und durchlesen!

Die User Story ist ein sehr einfaches Konzept. Trotzdem hat sie die Projektplanung entscheidend verÀndert - und das, obwohl User Stories zum Beispiel in Scrum nicht einmal vorkommen.
Gerade weil User Storys fĂŒr die Teamarbeit so wichtig sind, stellen sie eine Herausforderung dar. Diskussionen um die richtige Formulierung einer User Story in Scrum oder ihre korrekte Bearbeitung in Kanban können wertvolle Zeit verbrauchen. So empfinden viele das Konzept eher als undeutlich, aufwĂ€ndig und belastend.
Wir glauben fest daran, dass eine tiefe Verinnerlichung von User Storys - gerade in der agilen Methode - dich wirklich voranbringen kann. In diesem Artikel werden wir deshalb so praxisnah wie möglich demonstrieren, wie du sie nutzen kannst, um zu besseren Entscheidungen, Prozessen und Produkten zu gelangen.
Wir werden dabei definieren, was User Stories sind, ĂŒber das Schreiben und den Aufbau einer User Story informieren, Beispiele geben und dir zeigen, was eine gute User Story ausmacht. Doch fangen wir mit einer grundlegenden Frage an:
Manche bezeichnen eine User Story schlicht als die kleinste Einheit (oder auch als ein âWerkzeugâ) der agilen Methode. Andere, darunter auch die Agile Scrum Group, als eine âBeschreibung dessen, was ein Benutzer (User) will.â
Aus diesen Definitionsversuchen wird deutlich: Eine User Story ist eigentlich gar keine âGeschichteâ. Sie stellt vielmehr einen Ansatz dar, dein Produkt so zu verĂ€ndern, dass es aus der Sicht der Kund(innen) ein neues, besseres Erlebnis bietet.
Innerhalb einer User Story ist ein neues Feature somit nur dann eine Verbesserung, wenn es Anwender(innen) einen ganz bestimmten, erfahrbaren Nutzen bietet. Eine Software zu âoptimierenâ, ohne nach diesem Nutzen zu fragen, wird dabei als nicht zielfĂŒhrend betrachtet.
Gute User Stories zu schreiben, bedeutet, dich in der Entwicklung von Kund(innen) leiten zu lassen und auf ihre BedĂŒrfnisse und WĂŒnsche hinzuarbeiten. Es bedeutet, den Fokus auf Features hinter dir zu lassen und dich in Richtung einer Betrachtungweise zu bewegen, bei der echte Wertschöpfung in den Mittelpunkt gestellt wird.
Dennoch wurde der Begriff âStoryâ, wie Jeff Patton, einer der geistigen VĂ€ter der modernen User Story betont hat, mit Bedacht gewĂ€hlt. Wir werden darauf spĂ€ter noch genauer eingehen.
Diese Frage stellt sich in einigen Teams wohl so manche(r). Denn in der Praxis nimmt sich die Arbeit mit User Stories nicht immer einfach aus. Dennoch lohnt sich die investierte MĂŒhe zweifelsohne. Denn das Konzept der User Story mag auf dem Papier fast schon banal anmuten. In Wahrheit steckt dahinter eine entscheidende Neuausrichtung der Entwicklungsarbeit:
In der Regel helfen User Stories auch dabei, sinnvolle PrioritÀten zu setzen, die praxisnah und in einem angemessenen Zeitrahmen realisierbar sind.
User Stories haben sich fest etabliert. Dennoch kommen auch heute noch viele Teams ohne sie aus. Sogar Firmen, die sich eigentlich fest der agilen Methode verschrieben haben, nutzen sie nicht zwangslÀufig.
Trotzdem kann man behaupten: Wer wirklich agil arbeiten will, wird zumindest mit Instrumenten und Konzepten arbeiten, die den User Stories sehr nahe kommen. Wie wir im nÀchsten Abschnitt zeigen werden, bauen beide auf demselben Ansatz auf und sind eng miteinander verflochten.
Andersherum gilt auch: Nicht jedes Team, das auf User Stories setzt, hat die Philosophie voll verinnerlicht. Nur allzu leicht wird eine User Story zu einem einfachen âRequirementâ - einer Auflistung gewĂŒnschter FunktionalitĂ€ten, bei der oftmals der Nutzen fĂŒr Kund(innen) vergessen wird.
Aus dem Gesagten wird ersichtlich, warum User Stories in der agilen Entwicklung auf einen fruchtbaren NĂ€hrboden gestoĂen sind. Beide legen den Fokus auf stĂ€ndige Verbesserungen, Teamarbeit einschlieĂlich einer engen Zusammenarbeit mit Kund(innen), und die Orientierung der Ergebnisse an klaren Bewertungskriterien.
User Stories fĂŒgen sich nahtlos in eine agile Organisation ein:
Willst du User Stories in deinem Team nutzen? Wenn du mit Kanban arbeitest, brauchst du fĂŒr deine Projektarbeit nichts zu verĂ€ndern. Du kannst weiterhin mit deinen To-do-Listen arbeiten, richtest die Ziele aber nunmehr auf die Perspektive von Kund(innen) aus.
Wie gezeigt, sind User Stories sehr eng mit der agilen Methode verbunden. Und Scrum ist eine der zentralen Konzepte zur Umsetzung der agilen Methode. So erscheint es als selbstverstÀndlich, dass User Stories auch in Scrum Anwendung finden.
Interessanterweise aber werden sie im Scrum User Guide nicht erwĂ€hnt. Stattdessen thematisiert dieser lediglich den âProduct Backlogâ, also
âalle Features, FunktionalitĂ€ten, Verbesserungen und Fehlerbehebungen, die das Produkt in Zukunft verĂ€ndern sollen. Ein Product Backlog Item enthĂ€lt eine Beschreibung, eine Reihenfolge, SchĂ€tzung und Bewertung als Attribute.â [Ăbersetzung aus dem Englischen]
Aus dem gerade ErwĂ€hnten dĂŒrfen keine falschen Schlussfolgerungen gezogen werden.
User Stories sind nicht die einzige Möglichkeit, mit Scrum kundenorientiert zu arbeiten. Trotzdem haben sie in Scrum ganz gewiss ihren Platz! Vielmehr möchte sich der Scrum-Guide nur nicht eindeutig auf ihre Verwendung festlegen und Scrum-Mastern maximale Freiheit einrÀumen.
Diese Frage stellt sich zu Beginn nahezu jedes neuen Sprints. Wenn User Stories intuitiv erfassbar und ihre Vorteile offensichtlich sind und wenn das Konzept an sich einfach zu erklÀren ist - warum fÀllt es dann schwer, es in die Praxis umzusetzen?
Wenn du dich mit dieser Frage beschĂ€ftigst, mache dir deswegen keine VorwĂŒrfe. User Storys gibt es als methodische Idee bereits seit fast 30 Jahren. Innerhalb dieser Zeit hat es immer wieder BemĂŒhungen gegeben, die Umsetzung zu vereinfachen - ein eindeutiges Indiz, dass sie nicht einfach ist.
Eine gute User Story hat bestimmte QualitÀtskriterien. Diese werden wir uns im nÀchsten Abschnitt ansehen. Trotzdem glauben wir, dass es möglich ist, auf einer etwas allgemeineren Ebene zu erklÀren, was eine gute User Story ausmacht:
Damit eine User Story wirklich Nutzen fĂŒr Kund(innen) generiert, muss sie ihrer Erlebniswelt so nahe wie möglich kommen. Deshalb werden viele der besten User Storys de facto von den Anwender(innen) verfasst - sei es nach einem intensiven GesprĂ€ch oder weil der Kontakt so eng ist, dass du sehr genau abschĂ€tzen kannst, was diese sich wĂŒnschen.
Das zweite wichtige Kriterium ist, diesen Nutzen so lebendig wie möglich darzustellen. Wir haben zu Anfang erwĂ€hnt, dass eine User Story keine Geschichte ist. Wenn wir sie zu Papier bringen, dann solltest du sie dir sehr plastisch vorstellen können: So dreidimensional wie ein kleiner Film, der vor dem geistigen Auge ablĂ€uft, so kurz gefasst wir ein Haiku. Dabei kannst du die Zufriedenheit bei Anwender(innen) förmlich spĂŒren.
Auf einer formalen Ebene können das 3C-Modell und die INVEST-Methode weitere Hinweise liefern. In den folgenden beiden Abschnitten gehen wir genauer auf sie ein.
Das 3C-Modell entstand bereits frĂŒh in der User-Story-Geschichte. Es stammt noch aus einer Zeit, in der die Stories noch wortwörtlich âzu Papierâ gebracht wurden. FĂŒr eine gute Story sollten in diesem Rahmenwerk folgende drei Punkte erfĂŒllt sein:
Das 3C-Modell ist angenehm knapp und bringt zur Geltung, was eine gute Story von einer weniger ĂŒberzeugenden unterscheidet. Gleichzeitig liefert es wenig praktische Hilfe dabei, eine solche User Story zu schreiben.
Auch bei dem Akronym INVEST handelt es sich um einen Katalog von Anforderungen an gutes User-Story-Schreiben. Es gibt Ăberschneidungen mit 3C, aber auch eigenstĂ€ndige Punkte.
Sehen wir uns die sechs Anforderungen von INVEST einzeln an:
Wie du aus dieser Ăbersicht erkennen kannst, beziehen sich die ĂŒber das 3C-Modell hinausgehenden Punkte von INVEST vor allem auf die Arbeit in Scrum. Aus diesem Grund ergibt INVEST Sinn fĂŒr alle Scrum-Master, die sich intensiver mit User Stories auseinandersetzen wollen.
Gehen wir nun zu dem Punkt ĂŒber, der in nahezu allen Artikeln und Ăbersichten zum Thema fehlt: Einem praktischen Beispiel fĂŒr eine User Story in Scrum und wie du sie so schreiben kannst, dass sie zu einem wĂŒnschenswerten Ergebnis fĂŒhrt. Wir werden in diesem Artikel nicht nĂ€her auf ein Epic-Beispiel (lange User Story) eingehen. Denn auch, wenn die Zyklen sich hier ĂŒber mehrere Sprints erstrecken, bleibt das Grundprinzip identisch.
Nehmen wir an, du hast aus GesprĂ€chen mit Kund(innen) ermittelt, dass diese nicht zufrieden mit der Updatefunktion deines Produkts sind. Immer wieder werden sie wĂ€hrend der Arbeit von Update-Meldungen gestört und die DurchfĂŒhrung der Updates beeintrĂ€chtigt zudem die RechenkapazitĂ€t. Sie wĂŒrden gerne komfortabel bestimmen können, wann Updates installiert werden sollen oder sich gegen bestimmte Updates entscheiden.
Wie verlÀuft nun der Weg von diesem ersten Wunsch der Kund(innen) hin zum neuen Feature, beziehungsweise zum Befriedigen des Wunsches der Kund(innen)?
Das Konzept der User Story fuĂt auf der Schöpfung von Nutzen. Deshalb sollte das genaue Definieren dieses Nutzens höchste PrioritĂ€t genieĂen. Wenn du den Nutzen nicht richtig erfasst, wird es deinem Team auch nicht gelingen, die zentrale emotionale Komponente des Prozesses - die âStoryâ - zufriedenstellend umzusetzen.
Hilfe bietet hier die 5-Why-Technik.
Fange damit an, was du erreichen möchtest: ein Update-Prozess, der von Kund(innen) nicht mehr als BelĂ€stigung empfunden wird, sondern als UnterstĂŒtzung und Optimierung. AnschlieĂend stelle dir selbst die Aufgabe, fĂŒnf gute GrĂŒnde zu finden, warum diese Story einen Nutzen stiftet.
FĂŒr diese User Story wĂ€re zum Beispiel aus der Sicht von Kund(innen) denkbar:
Je mehr Details du hier erarbeiten kannst, umso deutlicher wird es fĂŒr das Team als Ganzes (und manchmal sogar fĂŒr die Kund(innen) selbst), worin genau die âStoryâ besteht.
Wir haben es bereits erwÀhnt: User Stories sind eher wie Haikus als Geschichten. Und genau wie Haikus hilft es, bei der Formulierung einer User Story einem mehr oder weniger strengen Format zu folgen.
Rachel Davis von der Firma Connextra stellte fest, dass viele Mitarbeiter(innen) mit dem Schreiben einer guten User Story ĂŒberfordert waren. Die inhĂ€rente Freiheit des Konzepts erwies sich als ein Problem. Wie so oft bot eine gezielte Limitierung der Optionen eine passende Lösung.
Davis schlug den folgenden User-Story-Aufbau vor:
Als [Rolle] möchte ich [Story], damit ich [Grund]
Das bedeutet in unserem User-Story-Beispiel:
Als Kundin möchte ich in Ruhe mit der Software arbeiten können, ohne von Updates unterbrochen zu werden. Ich möchte aber auch immer darĂŒber informiert sein, was fĂŒr Updates genau neu installiert werden und mich gegebenenfalls gegen sie entscheiden. Der Grund ist, dass ich es vorziehe, immer die Kontrolle ĂŒber die Software zu behalten und immer auf dem neuesten Stand zu sein.
Dies ist leider nicht, wie das Template in der Praxis ĂŒblicherweise benutzt wird. Oftmals setzen viele Teams statt einer emotional gelebten âStoryâ einfach eine rein technische FunktionalitĂ€t ein.
Dabei geht genau der wichtigste Teil verloren. Bei User Stories geht es um eine alternative Möglichkeit, mit dem Produkt zu arbeiten - nicht um eine neue Methode, die Arbeit aufzuteilen. Wenn du so vorgehst, nutzt du zwar formal einen passenden User-Story-Aufbau, arbeitest aber mit alten Methoden.
Das Connextra-Template verfĂŒhrt dazu, zu Mustern zurĂŒckzukehren, die du hinter dir lassen solltest. Wer es aber in seiner ursprĂŒnglichen Form verwendet, kann sehr groĂen Nutzen daraus ziehen.
Jede gute Geschichte hat einen Anfang und ein Ende. Ohne das letzte Kapitel und ein zufriedenstellendes Finale wird selbst ein spannender Anfang und ein packender Mittelteil mit einer EnttÀuschung enden.
Aus diesem Grund solltest du unbedingt gleich zu Anfang Akzeptanzkriterien fĂŒr deine User Story festlegen. Diese setzen einen Rahmen dafĂŒr, wann eine User Story als beendet (âdoneâ) betrachtet werden kann. Zusammen mit dem vierten Schritt, dem AbschĂ€tzen, verankern sie User Stories fest im agilen Framework.
Die Agile Scrum Group meint zum Thema Akzeptanzkriterien:
âAkzeptanzkriterien geben einer User Story Details, sodass Sie wissen, wann eine User Story fertig ist. Akzeptanzkriterien entstehen aus GesprĂ€chen zwischen dem Product Owner, den Stakeholdern und den Entwicklern, wenn Sie nach dem Scrum Framework arbeiten.â
Es empfiehlt sich bei dem Festlegen der Akzeptanzkriterien folgendes zu beachten:
Wie sehen Akzeptanzkriterien in der Praxis aus? Es gibt hier verschiedene AnsÀtze. Das beste Beispiel ist das sogenannte Gherkin-Format.
Ebenso wie das Connextra-Template fĂŒr den User-Story-Aufbau packt das Gherkin-Format die Formulierung von Akzeptanzkriterien fĂŒr diese User Stories in ein fixes Format. Das erleichtert die Arbeit ungemein.
Das Format sieht folgendermaĂen aus:
Gegeben <Voraussetzung>
wenn <Ereignis>
dann <Ergebnis>
So kann fĂŒr viele potenzielle FĂ€lle ein Szenario entworfen werden. Ein hervorragendes User-Story-Beispiel findet sich in einem ausfĂŒhrlichen PDF-Leitfaden des Bundesinnenministeriums: Hier möchten Anwender(innen) ein âPassbild hochladen", damit ihre âAntragsdaten vollstĂ€ndig sindâ:
âSzenario: Bilddatei hochladen
Gegeben ist, dass der Nutzende angemeldet ist und sich auf dem entsprechenden Formular befindet,
Wenn der Nutzende eine ausgewÀhlte Datei hochlÀdt und es sich um eine Bilddatei handelt,
dann wird sie ĂŒbernommen und dem Nutzenden als hochgeladen angezeigt und die Biometrie-PrĂŒfung
wird angestoĂen.
Szenario: Falsches Format hochladen
Gegeben ist, dass der Nutzende angemeldet ist und sich auf dem entsprechenden Formular befindet,
Wenn der Nutzende eine ausgewÀhlte Datei hochlÀdt und es keine Bilddatei ist,
dann wird sie nicht ĂŒbernommen und es wird ein Fehler angezeigt.â
Die Welt der Softwareentwicklung ist nicht linear. Aufgaben werden nicht bequem der Reihe nach abgearbeitet. In der Regel gilt es, mit einer limitierten Menge an Arbeitszeit die von dir und deinem Team definierten User Stories gleichzeitig oder zeitversetzt umzusetzen. Das stellt die Planung vor anspruchsvolle Aufgaben.
Das Ziel der User-Story-Organisation besteht darin, zu verstehen, wie viel Aufwand jede einzelne Story erfordert. Je genauer du dies weiĂt, desto genauer wirst du in der Lage sein, die zu erledigenden Aufgaben auf die bestehenden KapazitĂ€ten zu verteilen. Je gröber dein VerstĂ€ndnis, umso höher das Risiko, dass User Stories gar nicht oder nicht in der erforderlichen QualitĂ€t erledigt werden.
Dieses Risiko kann das Ăberleben des Unternehmens gefĂ€hrden. Aus diesem Grund nimmt die agile SchĂ€tzung - also die SchĂ€tzung des Aufwands deiner User Stories - eine zentrale Rolle ein.
Du könntest nun meinen, dass es dafĂŒr eine einfache Lösung gibt: Du weist schlicht jeder User Story eine geschĂ€tzte Bearbeitungsdauer zu und verteilst die Arbeit anschlieĂend so, dass sie innerhalb der geplanten Sprints erledigt werden kann.
In der Praxis haben sich andere AnsÀtze als effektiver erwiesen.
Zeit ist relativ. Was fĂŒr das Universum als Ganzes gilt, hat auch in der Softwareentwicklung Bestand. Arbeitszeit prĂ€ziseeinzuschĂ€tzen hĂ€ngt von einer Vielzahl von Faktoren ab und kann sich sogar fĂŒr erfahrene Personalplaner als Ă€uĂerst schwierig erweisen. Gerade bei schnellen und zugleich zeitintensiven Branchen können selbst kleine Abweichungen massive Folgewirkungen haben und den gesamten Zeitplan durcheinander bringen.
Aus unserer Sicht sind zwei Punkte verantwortlich dafĂŒr, dass Zeit in der Planung kein idealer BewertungsmaĂstab ist:
Aus diesem Grund hat sich eine andere Einheit zur EinschĂ€tzung herauskristallisiert: Story Points. Dabei handelt es sich um ein MaĂ, das den Aufwand einer User Story auf eine nicht direkt mit der erforderlichen Zeit verbundene Weise zu bestimmen versucht: Je mehr Story Points eine User Story erfordert, umso höher der Aufwand.
Story Points sind Aufwandspunkte. Sie können in erfahrenen Teams zu sehr genauen SchĂ€tzungen fĂŒhren. Trotzdem stehen sie niemals fĂŒr absolute Werte und sind im Gesamtkontext aller aktuell anstehenden User Storys zu sehen.
Die beliebtesten Konzepte basieren nahezu alle grob auf der Fibonacci-Folge. In dieser Sequenz entsteht die jeweils nÀchste Zahl aus der Summe der beiden vorangegangenen. Die ersten 13 EintrÀge dieser Folge sind demzufolge:
0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144
In der User-Story-Planung werden diese Zahlen ein wenig geglÀttet. So entsteht zum Beispiel die folgende Kette:
0, 1, 2, 3, 4, 5, 8, 13, 20, 30, 50, 100
Wir haben auch Konzepte gefunden, in der zwischen 0 und 1 noch ein 0,5 eingefĂŒgt und statt einer 50 eine 40 gewĂ€hlt wurde. Das aber sind Feinheiten, die das Konzept als solches nicht wesentlich tangieren.
AnschlieĂend weist das Team den User Stories einen dieser Zahlenwerte zu. Daraus entsteht eine Reihenfolge der Stories nach Aufwand. Die folgenden Methoden zur Zuweisung von Story Points sind ĂŒblich:
Beim Planning Poker weisen die Teammitglieder jeder User Story auf einer verdeckt gehaltenen Karte, je nach dem geschĂ€tzten Aufwand, Story Points zwischen 0 und 100 zu. AnschlieĂend werden die Karten offen auf den Tisch gelegt und nach Zahl der Story Points auf Stapel verteilt.
Der Stapel mit den meisten Karten ist der âSiegerâ und die User Story erhĂ€lt die damit verbundene Zahl an Punkten, beispielsweise 20.
Das Planning Poker ist eine elegante Methode der AufwandsschĂ€tzung, die letzten Endes aber natĂŒrlich einer simplen Abstimmung gleichkommt.
Das Konzept der Planung durch T-ShirtgröĂen, was sich ebenfalls oft in einschlĂ€gigen Artikeln findet, ist aus unserer Sicht keine eigenstĂ€ndige Methode, sondern eine modifizierte Variante des Pokers. Gleiches gilt fĂŒr das âBucket Systemâ (ein Eimer, in den die Karten geschmissen werden) oder das âDot Votingâ (mit kleinen Klebepunkten).
Das Affinity Mapping ist eine der wenigen Alternativen zum Planning Poker. Es besteht aus zwei Phasen:
In der Vergangenheit wurde die Planung und Aufgabenzuweisung ĂŒblicherweise von einer zentralen Instanz oder einer verantwortlichen Person vorgenommen. Bis heute hat sich diese Arbeitsverteilung in vielen Unternehmen gehalten. Sogar Scrum, ein teamorientiertes Konzept innerhalb der teamorientierten Agile-Management-Philosophie, arbeitet bis heute mit einem Scrum-Master.
Das Schreiben von User Stories unterscheidet sich hier deutlich. Zwar wird die erste Version der User Story oftmals noch von einem erfahrenen Teammitglied verfasst, beispielsweise nach einem ausfĂŒhrlichen Austausch mit Kund(innen). Hier schlieĂt sich direkt die Phase der âVerhandlungenâ an, also des Austauschs zwischen allen Beteiligten.
Somit werden User Stories zwar noch sehr oft von Einzelnen vorbereitet, geschrieben werden sie aber von der Gruppe.
Genau das macht sie auch zu einem so groĂartigen Tool. Denn wie jeder Autor weiĂ, ist eine Geschichte nur dann gut, wenn man sich mit ihr identifizieren kann.
Willst Du mehr dazu wissen, wie Deine persönliche User Story in Scrum zum Erfolg wird? Dann empfehlen wir Dir unseren Leitfaden zur Verwendung von Scrum in GitLab. Oder informiere Dich dazu, warum GitLab ganz allgemein die fĂŒhrende DevSecOps-Plattform ist.
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